Veröffentlicht von Wiebke Köhler am Fr., 20. Mär. 2020 07:00 Uhr

Gedankensplitter



Losung und Lehrtext am Freitag, dem 20. März

 

Der Herr deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes.

Psalm 27,5  

Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.

2. Korinther 12,10  

Als Kind habe ich mit meinem Bruder Höhlen gebaut. Mit vielen Wolldecken, die unsere verständnisvolle Mutter zur Verfügung stellte. Dann saßen wir im Kinderzimmer unter dem mit Decken verhängten Tisch auf unseren Kopfkissen und unterhielten uns. Es war sehr warm und ziemlich dunkel und gemütlich. Und manchmal spielten wir auch Krieg. Wir hatten von Flucht und Bombenangriffen eine vage Ahnung durch die Erzählungen, die man damals überall hören konnte. Wir überlegten uns: Was brauchen wir, wenn das Haus kaputt ist? Mein Bruder rettete seine Holzeisenbahn, dann war es schon ziemlich voll in der Höhle. Wir brauchten auch noch Proviant und holten deshalb aus der Speisekammer Ananas-Dosen und je eine Dose „Weiße Bohnen“ und „Erbsen und Wurzeln“, außerdem ein noch in Cellophan eingepacktes Honigbrot. Ich rettete meine Käthe-Kruse-Puppe, von der ich annahm, dass sie mit Vornamen Käthe und mit Nachnamen Kruse hieß, sie hatte auch eine Schwester, die später dazu kam und deshalb Elke Kruse hieß.  

An diese Spiele muss ich jetzt denken. Elke und Käthe Kruse sitzen immer noch auf dem Regal neben meinem Bett und gucken ernst, aber tröstlich. Und die Losung des Tages lädt mich in Gottes Zelt ein. Irgendwie ist diese Zeit gerade tatsächlich böse. Alles hat einen doppelten Boden. Man sehnt sich nach Wärme und menschlicher Gemeinschaft und soll möglichst im Haus bleiben oder zwei Meter Abstand zu den Mitmenschen wahren.  

Der Apostel Paulus redet deshalb ziemlich trotzig von dem Ärger, den er im Laufe seiner Bekanntschaft mit den Christen in Korinth erlebt hat. Ich kann das jetzt ganz gut nachfühlen: machtlos gegenüber dem Virus, eingeschränkt in meinem Alltag, voller Sorgen um Menschen, die ich mag und Sorgen um die Zukunft. Aber Gott und Christus sind diejenigen, die Schwachheit nicht verachten. Paulus hört im Gebet Gott, der sagt: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“  

Die Käthe-Kruse-Puppe habe ich übrigens zur Taufe bekommen, meine Patentante hatte sie 1939 von ihrer Patentante bekommen. Käthe hat also den Zweiten Weltkrieg hinter sich, mindestens zehn Umzüge und sie teilt schon immer meine nächtlichen Sorgen mit mir.  

Heute Abend kann ich mich in meine Decke wickeln und zu ihr sagen:  

Der Herr deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes.

 

Ihre Wiebke Köhler

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Kategorien Gottesdienst