Veröffentlicht von Wiebke Köhler am So., 22. Mär. 2020 07:30 Uhr

Sonntagsandacht am Sonntag Laetare, aufgenomen in der Münsterkirche

 

Liebe Gemeindemitglieder,

wir alle vermissen die Möglichkeiten, die es sonst gab – wir vermissen Menschen, Umarmungen und Nähe, gemeinsames Essen, Lachen, spontane Treffen, Gottesdienste und den Kirchenkaffee, gemeinsame Aktionen, Ausflüge, Verwandtenbesuche, Urlaub, die Liste ist endlos.

 

Dennoch ist heute Sonntag und diese Andacht soll Sie daran erinnern.

Auch unter diesen Umständen gilt:

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

 

Heute ist der Sonntag Laetare. Entgegen unserer momentanen Stimmung heißt dieser Sonntag der Passionszeit übersetzt: „Freuet euch!“

Natürlich kann man sich nicht auf Zuruf einfach so losfreuen. Es gibt aber diese Sehnsucht nach Freude, die Erinnerung an wunderbare Momente. Ein berühmtes Kirchenlied, das schon seit den Zeiten des Dreißigjährigen Krieges gesungen wird, ist heute das Wochenlied, das Lied dieses Sonntags. Und auch hier findet sich diese Mischung zwischen der aktuellen Lage, wie sie nun gerade mal ist und der Sehnsucht nach der Freude an Gott.

 

Evangelisches Gesangbuch (EG) Nr. 396, 1 - 3 + 6

Nr. 396, 1

Jesu, meine Freude, meines Herzens Weide, Jesu, meine Zier,

ach wie lang, ach lange ist dem Herzen bange und verlangt nach dir!

Gottes Lamm, mein Bräutigam, außer dir soll mir auf Erden nichts sonst Liebers werden.

 

Es ist ein Lied aus der Barockzeit und in der Dichtung damals geht es auch barock zu. Viele Bilder, viele Gefühle, Überschwang. Das mit dem „bangen Herzen“ können wir allerdings sofort nachvollziehen in unserer Gegenwart.

 

EG 396,2

Unter deinem Schirmen bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei.

Lass den Satan wettern, lass die Welt erzittern, mir steht Jesus bei.

Ob es jetzt gleich kracht und blitzt, ob gleich Sünd und Hölle schrecken, Jesus will mich decken.

 

 Sonntag ist tatsächlich der Tag, der uns vor allem Bösen abschirmen will. Hoffentlich stellt sich heute auch bei Ihnen, liebe Zuhörer*innen eine gewissen Ruhe ein. Ein Virologe, der jetzt täglich in den Medien interviewt wird, sagte kürzlich, er habe es sich zur Regel gemacht, ab 17:00 keine Nachrichten mehr zu sehen oder zu hören. Er informiert sich über die Entwicklungen morgens, abends braucht er Ruhe und Zeit zum Durchatmen

 

EG 396,3

Trotz dem alten Drachen, trotz dem Todesrachen, trotz der Furcht dazu!

Tobe, Welt, und springe; ich steh hier und singe in gar sichrer Ruh.

Gottes Macht hält mich in acht; Erd und Abgrund muss verstummen, ob sie noch so brummen.

 

Trotz ist ein Gefühl, das viel freisetzen kann. Nur trotzig und laut singend können dunkle Räume durchwandert werden. Manchmal gibt uns der Trotz richtig Energie. Ulrike Hastedt hat in der Podcast-Version für uns diese Solo-Strophe gesungen und darüber hinaus Harmonie gestiftet. Denn unsere Stimmen können dazu beitragen, Mut zu machen und Raum für Gottes Macht zu schaffen. Der alte Virus-Drache soll doch woanders brummen.

 

EG 396,6

Weicht, ihr Trauergeister! denn mein Freudenmeister, Jesus, tritt herein.

Denen, die Gott lieben, muss auch ihr Betrüben lauter Freude sein.

Duld ich schon hier Spott und Hohn, dennoch bleibst du auch im Leide, Jesu, meine Freude.

 

Das Wortbild vom „Freudenmeister“ finde ich besonders schön. Jesus ist unser Freudenmeister und kommt zu uns, um alles andere aus dem Raum zu verweisen.

Freudenmeister verwandeln Traurigkeiten in Freude, so, wie Jesus auf der Hochzeit zu Kana das Wasser zum Waschen in Wein zum Feiern verwandelt hat. Oder so, wie man manchmal trotz oder gerade wegen der Corona-Krise plötzlich Anrufe von Menschen erhält, die man lange nicht gehört hat. Denen, die Gott lieben, ist es auch in schwierigen Zeiten möglich, Freude und Zuversicht zu verbreiten und von anderen geschenkt zu bekommen. Dazu möchte ich uns alle ermutigen.

 

Fürbittengebet

 

Jesus Christus, unser Bruder, unser Heiland,

wir bitten dich jetzt für diese Welt und uns alle.

Denn du hast genau hingesehen,

aufmerksam zugehört und dann gesagt:

„In der Welt habt ihr Angst“

Ach ja, diese Welt ist gerade voller Ängste:

 

Menschen machen böse Erfahrungen,

eine neue Krankheit bedroht unser Leben und zerstört unseren Alltag,

Wir bitten dich jetzt um Mut und Gelassenheit.

Um die nötige Sorgfalt im Umgang miteinander und Klarheit in Konflikten.

Wir bitten dich für die Menschen,

die sich gerade besonders dem Dienst an Anderen verschrieben haben:

In den Läden, die für uns geöffnet haben.

In der Polizei und bei der Feuerwehr, in den Unfallhilfen,

in den Krankenhäusern und Arztpraxen,

in den Pflegeheimen und in der häuslichen Pflege.

Sei du auch auf den Intensivstationen und den Palliativstationen.

in den Verwaltungen und in der Politik.

Sei uns nahe in den Familien und ihren Wohnungen,

 

Wir bitten dich um deinen guten Geist in den Strukturen

allerorten und überall in deiner Schöpfung, die auf Erleichterung und neue Hoffnung wartet.

Jesus Christus, du hast gesagt: In der Welt habt ihr Angst,

aber fasst Mut, ich habe die Welt überwunden. 

 

Wir bitten dich, teile und heile unsere Ängste,

damit wir dieser Welt gerecht werden

in der Hoffnung auf deine neue und ewige Welt.                Vaterunser

 

Verleih uns Frieden gnändiglich, Herr, Gott, zu unsren Zeiten. Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, Gott, alleine.

 

Segen

Der Herr segne und behüte dich, der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir,

der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir  +  Frieden.

Amen


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