Veröffentlicht am Di., 24. Mär. 2020 07:00 Uhr

Gedankensplitter zu Losung und Lehrtext am 24. März

 

Der Herr ist gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken.

Psalm 145,17  

Darum lassen auch wir nicht ab für euch zu beten und zu bitten, dass ihr erfüllt werdet mit der Erkenntnis seines Willens in aller geistlichen Weisheit und Einsicht.

Kolosser 1,9  

Fromm sein ist manchmal ganz schön anstrengend. Ich wäre gerne eine fromme Heldin des Alltags, aber eindeutig gut wäre es, wenn ich wüsste, dass da jemand für mich betet und darum bittet, dass ich „mit der Erkenntnis des Willens Gottes und aller geistlichen Weisheit und Einsicht“ ausgerüstet werde.

Wenn nämlich zum Beispiel beim Einkaufen alles jetzt etwas schwieriger ist: Die Maßgabe mit den anderthalb Metern kann man nicht einhalten, weil einem irgendwie immer jemand schräg hart den Weg kreuzt und dann sind auch noch die kleinen Dosen mit den Bohnen alle weg. Außerdem gibt es kein Mehl mehr und auch keine Hefe und vor dem leeren Regal stehen zwei Menschen dicht beieinander und mutmaßen darüber, dass die anderen, die das Mehl mitgenommen haben, wahrscheinlich gar nicht alle backen können.  

In diesen Momenten, wo es mit dem Heldin-des-Alltags-Sein nicht so klappt, fällt mir immer eine Figur aus einem meiner Lieblingsfilme ein: „Jenseits von Afrika“. Ja, ich weiß, jetzt bitte nicht die Augen verdrehen, kitschig. Aber eine Lieblingsfigur aus diesem Film ist der Steward Farah Aden, ein wunderbar würdevoller Muslim, der den Haushalt für die Hauptheldin Tania Blixen irgendwie königlich souverän regiert. Wenn alles den Bach runtergeht, sagt er tröstlich und gelassen: „Gott ist groß, Memsahib.“ 

Diese Funktion erfüllt für uns wahrscheinlich die heutige Losung. Der Herr ist gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken.“  Wenn es mal ungerecht und ungnädig zugeht, wenn die Sachen sich irgendwie hart im Raume stoßen, dann soll man wissen und fühlen, dass Gott er selbst bleibt, gütig und gerecht.  

Eigentlich heißt das islamische Stoßgebet, das Farah Aden für seine Tania hörbar macht: „Gott ist größer – Allahu akbar“! Wir kennen es jetzt ehr als Schlachtruf islamistischer Terroristen. Sie haben es der islamischen Alltagsfrömmigkeit entnommen und schrecklich entstellt. Das ist traurig, denn dieser kurze, tröstliche und liebevolle Blick nach oben zu Gott kann helfen, sich von einem akuten Schlamassel vor Ort zu distanzieren.  

Geistliche Weisheit und Einsicht wird jetzt von uns verlangt. Heldinnen des Alltags. Als es losging mit dem Projekt Hamsterkäufe, habe ich mir gewünscht, den Tarnumhang von Harry Potter zu besitzen. „Und was willst du dann hamstern?“ hat mich meine Tochter gefragt. „Ich stelle es mir einfach schön vor, mit dem Umhang ungesehen durch den Aldi zu schweben und fünf Pakete Parmesan zu hamstern!“ habe ich ihr geantwortet und darüber mussten wir lachen.  

Lasst uns auch heute füreinander beten.  

Ihre Wiebke Köhler

 

Kategorien Gottesdienst